Agility


Im Jahr 1784 schreibt Immanuel Kant in seiner Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen […] dennoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; […] Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

Die Ziele der agilen Produktentwicklung und die der Aufklärung haben erstaunlich viel gemeinsam.
Was in diesem Zusammenhang immer wieder faszinierend ist, ist, wie ähnlich die Ziele der Aufklärung mit denen der agilen Entwicklung sind. Man hat das Gefühl, dass viele Mitarbeiter ihr Hirn am Firmeneingang abgeben und am Abend wieder abholen. Unabhängig vom Hierarchielevel wollen sie Entscheidungen nicht treffen und die damit verbundene Verantwortung nicht übernehmen. Die Angst vor dem Risiko einer „falschen“ Entscheidung ist zu groß. Deshalb sind sie ganz froh, wenn sie die Verantwortung weitergeben können. Selbst, wenn sie wissen, dass die Entscheidung, die dann ein anderer trifft, nicht richtig ist oder es bessere Alternativen gibt, schweigen sie oft, weil es bequemer ist.

„Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! könnte auch der Wahlspruch der agilen Produktentwicklung sein.“

Genau hier setzen die Prinzipien von Agilität an: Man versucht durch die Rollen und Zeremonien im agilen Handlungsrahmen den Mitarbeitern zu mehr Eigenverantwortung und mehr Spaß an der Arbeit zu verhelfen. Das Ziel ist nach jeder Iteration konkrete Ergebnisse präsentieren zu können, im Idealfall ein lauffähiges Produkt. Was in der reinen Softwareentwicklung relativ leicht schon sehr anspruchsvoll ist, wird in der Entwicklung von Hardware oder komplexen Systemen deutlich schwieriger. Wie auch in der Softwareentwicklung müssen sich die richtigen Hilfsmittel und Werkzeuge erst entwickeln. Mit LEGO und den littleBits haben wir dafür ganz heiße Kandidaten. Mit wenig Aufwand kann man schnell erste Prototypen bauen und die grundlegenden Funktionen demonstrieren.

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