Das Imperium schlägt vor


Ich bin ein Imperialist.

In meinem Urlaub habe ich das Buch „Sapiens: A Brief History of Humankind​“ von Yuval Noah Harari gelesen. Dort werden Imperien neutral beschrieben und erfüllen nur zwei Voraussetzungen: Sie bestehen aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen und flexiblen Grenzen. Die alten Römer unterwarfen fremde Völker nicht, um mehr Platz für das eigene zu haben, sondern um den Barbaren die Vorteile der Zivilisation zu bringen.

Manchmal fühle ich mich wie ein Missionar oder Botschafter eines Imperiums, im positiven Sinn. Ich versuche den Agilen Handlungsrahmen und die Ideen, Rituale, Normen und Werte, die dazu gehören, zu verbreiten, weil ich glaube, dass es den Menschen wirklich hilft. Es ist weder für die Mitarbeiter einer Firma gut, wenn sie top down wie Idioten behandelt werden, denen man jeden Strich ihres professionellen Malbuchs exakt vorgeben muss. Es ist aber genau so wenig gut für die Führung und Manager eines Unternehmens, wenn jede Entscheidung bei der einzigen „fähigen“ Person im ganzen Unternehmen getroffen werden muss. Überlastung und Burnout sind schon vorprogrammiert, geschweige denn die unendlich langen Wartezeiten, die mit solch einer hierarchischen Führung verbunden sind. In einer Geschäftswelt, in der Geschwindigkeit mehr zählt, als alles andere, kann man sich diese Wartezeit nicht erlauben.

Ich mache das aber auch, weil ich glaube, dass die Werte, die hinter der Agilen Entwicklung stehen, für eine positive, angenehme Arbeitsklima stehen, in dem Probleme nicht rhetorisch zu „Herausforderungen“ degradiert und totgeschwiegen werden, sondern im Team mit Kriegsgeschrei angegangen werden. Eine Welt, in der die Leute Spaß haben zu arbeiten. In Teams, in denen alle gehört und respektiert werden. Und eine Welt, in der sich die Menschen vertrauen und auch mal Fehler machen können. Und trotzdem wissen, dass sie gemeinsam nach vorne stürmen.

Ein Imperium besteht aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen und flexiblen Grenzen. Genauso ist es mit Agile: es gibt verschiedene Strömungen, man ist aber erpicht darauf, weitere Völker von den Vorteilen zu überzeugen. So gesehen bin ich gerne ein Imperialist.

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.